Datenriese Facebook: Wie sehr spioniert das soziale Netzwerk seine Nutzer wirklich aus?

Jeder kennt den grossen, blauen Internetriesen, der mit über einer Milliarde Nutzern an der Spitze der sozialen Netzwerke weltweit steht. Mittlerweile sieht sich das Netzwerk rein von den Nutzerzahlen schon als ziemlich gesättigt, ist aber trotzdem darauf bedacht, seinen Einfluss zu erweitern. Das geschieht zum Beispiel durch den Ausbau der Videos im eigenen Netzwerk, dem Kaufen von Firmen, die die Vormachtstellung Facebooks gefährden könnten, und dem geplanten Schaffen eines YouTube ähnelnden, in Facebook integriertem, Videonetzwerk, das YouTube ersetzen soll. Mit seiner aggressiven Werbepolitik, die private Daten nutzt, dem medial aufgebauschten Börsengang der Firma und seinen Konkurrenzplänen gegenüber Google und Co. wird der Vorwurf, die Nutzer auszuspionieren bzw. für nicht vertraglich geregelte Zwecke zu beschatten, immer lauter. Was ist jedoch dran, an dem angeblichen Ausspionieren der Nutzer auf Facebook?

Datenrisiko Messenger

Die mobile Chatfunktion von Facebook für Smartphone und Tablet sorgte erst vor kurzem für Schlagzeilen. So fand ein Spionagespezialist heraus, dass die App mehr Spyware (mehr Spionagesoftware) eingebaut hatte, als alle anderen Spionageprogramme, die er bisher gesehen hätte. So gäbe es beispielsweise sogenannte API-Schnittstellen, die Informationen über die Umgebung durch das Wireless LAN einsammeln können. Auch die eigene Nutzung wird streng protokolliert, zum Beispiel was selbst angeklickt wird, oder ob das Tablet oder Handy im Querformat oder im Längsformat gehalten wird. Laut Facebook dient diese Überwachung allerdings nur der Steigerung des Komforts der Benutzer in der Zukunft.

Verbunden mit Geheimdiensten

Dass das grösste Netzwerk der Welt ohne gross nachzufragen intime Details der Nutzer an den amerikanischen Geheimdienst im Rahmen des PRISM-Programms weitergibt, ist weitgehend bekannt. Auch die Optimierung der Werbung durch das Verwenden von Cookies und dem Durchleuchten der eigenen Identität wurde seitens der Facebook-Nutzer noch gnädig akzeptiert. Seit kurzem ist allerdings auch ans Licht gekommen, dass Facebook ebenfalls mit deutschen Institutionen Datenweitergaben aushandelt. So laufen zum Beispiel mit dem BND (Bundesnachrichtendienst) Projekte, die das Abhören und Herausfiltern von Daten aus sozialen Netzwerken nicht nur legalisieren, sondern auch (staatlich) fördern würde.

Datenfalle Whatsapp

Der grüne Gratis-Nachrichtendienst, der SMS mittlerweile weitgehend ersetzt und ebenfalls über das Internet läuft, wurde 2014 von Zuckerberg gekauft und sogleich in das Facebook-Imperium integriert. Seitdem dient der Nachrichtendienst genauso der Überwachung, wie auch der Facebook-Messenger. So schneidet Whatsapp bei einer Umfrage der Electronic Frontier Foundation als schlechtester Teilnehmer ab. Gründe waren unter anderem, dass Whatsapp sich keine Selbstverpflichtung auferlegt hätte, Daten erst durch richterlichen Beschluss weiterzuleiten, und kaum Transparenz im Umgang mit privaten Informationen und Datenschutz biete.

Irrtümer und Missverständnisse nicht ausgeschlossen

Zwar besitzen die Datensammler des Facebook-Imperiums die Präpotenz, private Nachrichten und Posts zu durchsuchen und auszuwerten, fehlerfrei funktioniert das aber keinesfalls. Auch im deutschsprachigen Raum kommt es immer wieder zu Missverständnissen. Zum Beispiel wurde ein makabrer Witz über Massenmörder einem deutschen Jugendlichen zum Verhängnis, als er in die USA reisen wollte. Er wurde für einen potenziellen Serienkiller gehalten und musste wochenlang in Quarantäne ausharren, bevor die vorgeworfenen Absichten widerlegt werden konnten. US-amerikanische Beamte können sich in derartigen Fällen jederzeit an den Nachrichtenverlauf des Nutzers machen – und zwar seit seiner Anmeldung auf Facebook, selbst wenn das Konto der Person offiziell gelöscht wurde, denn die privaten Daten leben auf den Servern von Facebook weiter. Bislang konnten dutzende bis hunderte Menschen aus Missverständnissen oder Irrtürmern nicht in die Vereinigten Staaten einreisen, und landeten zu Unrecht auf der „No Fly“-Liste.

Facebook übt mit seiner überragenden Grösse und seinem gigantischem Einfluss auf die Internetlandschaft eine mittlerweile regelrecht hegemonische Rolle aus. Mit der zunehmenden Ignoranz gegenüber europäischem Datenschutzrecht im Hinblick auf Privatsphäre wagt sich der Internetgigant auf zunehmend dünner werdendes Eis und wird zur Zielscheibe von Datenschutzaktivisten. Nichts desto trotz bleibt die Zahl der Facebook-Nutzer konstant – was Facebook auch weiterhin zu einem attraktiven und lukrativem Geschäftsmodell macht. Eine Revolution kann nur jeder für sich machen – mit dem Unterschreiben von Petitionen gegen den Einfluss Facebooks oder sogar noch effizienter – mit der Abmeldung auf Facebook. Denn nur die Deaktivierung oder das Löschen des eigenen Kontos auf Facebook kann den Konzern zum Umdenken und sogar zum Umschwenken bringen und seine Vorgehensweise mit privaten Daten hinterfragen lassen.

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