Sinnvoll oder nicht: Der Appell der deutschen Polizei gegen Kinderfotos auf sozialen Netzwerken wie Facebook

Jede Mutter und jeder Vater kann es bestens nachvollziehen: Den Stolz, den man empfindet, wenn man für seinen eigenen Nachwuchs heranwachsen sieht. Nur zu gerne teilt man deswegen gerne Bilder von seinen Sprösslingen mit der Welt. Im Zeitalter von Web 2.0 geschieht dies auch auf vielen sozialen Netzwerken, oftmals ohne durch die Privatsphäre-Einstellungen die Bilder nur für die eigene Freundesliste freizugeben, was Sicherheitsrisiken darstellt. Aus diesem Grund hat sich die deutsche Polizei der Stadt Hagen in Nordrheinwestfalen zu einem Aufruf gegen Kinderfotos auf Facebook entschieden. In einem knappen Text bringt die Polizeibehörde der Stadt zum Ausdruck, warum Bilder von den eigenen Kindern nicht für alle Facebook-Nutzer sichtbar gepostet werden sollten. Der Post sollte wachrütteln, es stellt sich aber auch die Frage: Ist hier wirklich ein akutes Sicherheitsrisiko zu orten, oder ist der Post eine unangebrachte Bevormundung seitens der Polizei für die Bürger?

Ein enormer PR-Erfolg

Die Polizei Hagen rechnete mit einer positiven Resonanz, aber dass der Post derart erfolgreich werden würde, haben sie nicht gedacht: Mehr als zwei Millionen Nutzer aus Deutschland aber auch aus Österreich und der Schweiz haben den Post mittlerweile gesehen, mit über 140 000 „Gefällt mir“-Angaben und mehr als 4 000 Kommentaren stiess der Post zudem auf enorme Interaktion.

Potenzielles Risiko

Mittlerweile sind rund 30 Millionen deutsche Nutzer auf Facebook angemeldet und auch aktiv. Wer also seine Privatsphäreneinstellungen auf „Öffentlich“ schaltet oder nicht darauf achtet, ob man die Personen in seiner Freundesliste auch kennt, verschafft möglicherweise unerwünschten Personen Einblick in sein Privatleben – eben auch bei Kinderfotos. So können beispielsweise Pädophile die Fotos missbrauchen, oder sogar benutzen um das Kind ausfindig zu machen. Gleichzeitig kann es auch verwendet werden, um beispielsweise Werbung für Kinderpornographie, etc. zu machen…die Möglichkeiten sind hier schier unbegrenzt, während die IT-Abteilungen der deutschen Polizeibehörden oft sehr klein und in ihren Möglichkeiten begrenzt sind.

Heute niedlich, später peinlich

Der Nachwuchs beim Planschen in der Badewanne: Heute noch ein niedliches Geschwisterfoto, später allerdings möglicherweise hochpeinlich. Denn die intimen Fotos können später sehr unangenehm werden, wenn Mitschüler und Kollegen die Bilder entdecken, und schlimmstenfalls zum Mobbing im echten Leben, aber auch im Internet verwendet werden. Ausserdem kann es dem Kind später übel aufstossen, dass die Eltern das Bild einfach so sorglos ins Netz gestellt haben. Denn was Jugendlichen bekannt ist, aber die Generation 40 plus selten bedenkt, ist: Das Internet vergisst nicht.

Regt zum Nachdenken an

Privatsphäre ist ein wichtiges Gut, dass nur sehr langsam erkämpft wurde, aber jetzt im Zeitalter von digitaler Präsenz scheinbar wertlos zu sein scheint. Mit dem Post der Hagener Polizei wurden viele Leute zum ersten Mal auf die Einstellungen für die Privatsphäre auf Facebook aufmerksam, und dachten erstmals über ihre Verantwortung mit persönlichen Daten im Internet nach. Mit über 4000 Kommentaren sorgte das Thema jedenfalls für Gesprächsstoff und hitzige Diskussionen.

Der richtige Denkanstoss für eine immer unvorsichtigere Gesellschaft

Der deutschsprachige Raum holt zunehmend in Sachen sozialen Netzwerken auf. Mittlerweile verbringt jeder dritte Deutsche Zeit auf Facebook, die Sicherheitsrisiken sind jedoch oft noch nicht bekannt. So gaben zum Beispiel 20% der Jugendlichen 2010 an, jemanden zu kennen, der online erniedrigt oder fertig gemacht wurde. 22% aller deutschen Jugendlichen wurden online bedroht oder beschimpft. Zahlen, die seit Jahren steigen und auch auf Unvorsichtigkeit und Naivität zurückzuführen sind. Deswegen ist der Post der Polizei Hagen zu befürworten, weil es Facebook-Nutzer wachrüttelt, alarmiert, und vor den Risiken eines zu einsehbaren und öffentlichen Facebook-Kontos mit privaten Fotos warnt.

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